Nominierung für den Oekotabel-Award 2016 in der Kategorie „Innovation“

Auch wenn wir zugeben, dass die „Weltrettung“ etwas aufwändiger ist als angenommen, freuen wir uns aktuell über die Nominierung für den Oekotabel-Award 2016.

Die Realisationen im Bereich Energiewende sind oft nicht so photogen wie unsere Architekturinszenierungen, womit diese energetischen Aktivitäten in den üblichen Fachzeitschiften nicht immer Beachtung erfahren.

Umso erfreulicher, wenn wir von Seiten der Kunden und Lieferanten lobende Worte hören. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an Christopher „Chrickel“ Diedrich für sein Engagement hinsichtlich der Nominierung.

Leidige PET-Flaschen

Nehmen wir die Nominierung zum Anlass und wagen einen Blick in die Vergangenheit.

So vor circa zwölf Jahren muss es begonnen haben, dass unser Getränkelieferant statt der bis dahin üblichen Mehrweg-Glasflaschen, plötzlich diese leichten und bruchsicheren PET-Flaschen anlieferte. Erneut drohte eine sinnvolle Tradition im Plastikmüll zu ersticken.

Bis zum heutigen Tage konsumieren wir in der LightLife nur Getränke aus Glasflaschen. Allerdings mit der Einschränkung, dass wie die Blicke unseres aktuellen Getränkelieferanten vermuten lassen, man uns wohl für esoterische Spinner hält.

Was wir machen, braucht eigentlich kein Mensch

Es ist nie falsch ein wenig über die Zukunft zu sinnieren. Wollen wir es zulassen, dass wir und die Gesellschaft die noch verfügbaren Ressourcen wie Öl, Kohle und Wasser gedankenlos verschwenden?

Können wir zusätzlich zur Getränkeproblematik, in und mit der LightLife dazu beitragen zumindest in Teilbereichen Verbesserungen zu bewirken?

Ein Blick in unsere Referenzen stimmte ebenfalls nachdenklich. Die Tätigkeiten mit denen wir unser Geld verdienen sind zwar schön anzuschauen, oft auch künstlerisch wertvoll, erfordern aber immer Strom und sonstige Ressourcen.

Nüchtern betrachtet benötigt unsere Realisierungen kein Mensch zum reinen überleben. Was passiert in den Köpfen der Menschen, wenn wie anzunehmen ist die Strompreise weiter steigen?

Findet die breite Öffentlichkeit unsere Medienfassaden in zehn Jahren auch noch beeindruckend, oder sind die Menschen verärgert über die augenscheinlich  sinnlose Energieverschwendung?

Selbstversorgende Medieninstallationen

Um für die Zukunft gewappnet zu sein mussten neue Lösungsansätze her. Gedanklich waren die Probleme schnell beseitigt. Unsere zukünftigen Installationen müssen sich selbst mit Energie versorgen. Sprich: Mit der Medienfassade liefern wir gleich noch ein Kraftwerk, welches die Fassade mit erneuerbarer Energien versorgt. Aber wie viel elektrische Energie liefert zum Beispiel ein Solarpanel? Und wie funktioniert das Ganze technisch?

Mit David Muggli und der Priogo AG fanden wir einen strategischen Partner und montierten uns eine Solaranlage mit 29,75 kWp auf das eigene Dach. Zusammen mit dem 5 kW-Energiespeicher im Keller die ideale Testumgebung für unsere Vorhaben.

Sauberer Strom im Überfluss

Fast drei Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage sind wir nun mit sämtlichen technischen Komponenten vertraut. Tägliche Messungen, Versuchsaufbauten, Dokumentationen (PDF)  – bereits nach einem Jahr konnten wir unseren Kunden „selbstversorgende Medieninstallationen“ anbieten.

Dabei lässt die Begeisterung für alternative Stromerzeugung nicht nach. Bis zum heutigen Tage haben wir mit unserer recht überschaubaren Photovoltaikanlage 72 Megawattstunden (72.106 kWh) elektrische Energie erzeugt.

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Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher 2-Personenhaushalt hat einen Jahresbedarf von 3.100 kWh. Wie die energetische Auswertung nach zwei Jahren Betriebsdauer zeigt, produzieren wir 27% mehr elektrische Energie als wir inklusive aller Arbeitsplätze und Elektroauto benötigen.

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Dabei nutzen wir den erzeugten Strom direkt selbst. Die direkte Nutzung der erzeugten elektrischen Energie in der LightLife erreicht Werte zwischen 68 und 77% in den Sommermonaten, bzw. 11 bis 12% in den dunklen Wintermonaten. Im Jahresdurchschnitt erreichen wir Autarkiegrad von stolzen 53,12%.

Bei diesen Resultaten wundern wir uns wirklich über die gewaltige Anzahl von  Firmen und Betrieben, die ihre elektrische Energie immer noch vom örtlichen Energieversorger beziehen. Strom für 28 Ct./kWh kaufen, statt diesen für ca. 9 bis 11 Ct./kWh selbst zu produzieren.

So erklärt sich etwas, weswegen ALDI, IKEA und LIDL viele Märkte mit Photovoltaikanlagen ausstatten. Die Nutzung von Erneuerbaren Energien rechnet sich so gut, dass diese Anbieter mittels Ladestationen für E-Autos den erzeugten Strom an ihre Kunden verschenken können.

Elektroauto smart electric drive

Natürlich fahren wir mit dem smart electric drive auch eines dieser derzeit noch völlig überteuerten Elektroautos aus deutscher Produktion. Nach 33.648 gefahrenen Kilometern mit Strom vom eigenen Dach haben wir gelernt, dass ähnlich wie bei Solaranlagen viele der ständig publizierten Vorurteile schlicht und einfach falsch sind.

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Ein Elektroauto bedeutet Autofahren 2.0 und macht mächtig Spaß. Wirklich nicht vergleichbar mit diesen trägen und lauten konventionellen Antrieben, welche sich derzeit noch in unserem Fuhrpark befinden.

Ein Blick in unsere betriebswirtschaftliche Auswertung verrät zudem, dass unsere vier Firmenwagen in den letzten drei Jahren gute € 19.000,- Kosten für Benzin und Diesel verursacht haben. (2013 = € 7.374,36 | 2014 = € 5.469,78 | 2015 = € 6.185,21).

Genau genommen „verbrennen“ wir auf dem Weg zum Kunden, sowie für Materialtransporte alle drei Jahre den Gegenwert eines Neuwagens. Mit diesem Wissen erscheint die Anschaffung von Elektrofahrzeugen direkt sinnvoller.

Ziel ist es in den nächsten drei Jahren nur noch E-Autos im Fuhrpark zu haben. Bestellt haben wir für Stadtfahrten bereits einen Microlino, der den konventionellen mit Superbenzin betriebenen Smart ersetzt. Bei dem 1er BMW für Langstrecken hoffen wir auf die baldige Auslieferung des Tesla Model 3, womit nur noch eine Lösung für den VW Sharan gefunden werden muss.

Licht und LED-Technik

Die Erzeugung von sauberem Strom ist nur eine Seite der Medaille. Durch den Einsatz von LED-Leuchtmitteln lassen sich enorme Leistungsaufnahme- und Kosteneinsparungen erreichen.

In Restaurants, Apotheken, Geschäften und Hotels heizen oft unzählige Halogenleuchtmittel die Räume auf. Speziell in Apotheken muss die entstandene Wärme permanent abgeführt werden, womit durch den Einsatz von Klimaanlagen weitere Kosten entstehen.

Für herkömmliche Glüh- und Halogenlampen sind sogenannte Retrofits verfügbar. So hat das Düsseldorfer Nikko-Hotel sämtliche Hotelzimmer auf LED-Beleuchtung umgerüstet. Statt vier 40 Watt-Glühlampen in den Steh- und Wandleuchten erhellen nun vier 6 Watt LED-Retrofits von Osram die Räumlichkeiten. Die Leistungsaufnahme konnte so je Raum von 160 Watt auf lediglich 24 Watt reduziert werden. Bei insgesamt 386 Zimmern und Suiten eine mehr als spürbare Reduzierung der Energiekosten.

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Ähnliche Ergebnisse erreichten wir in der Lagerhalle von Becher Holz Köln. Die insgesamt  120 Hallenstrahler, bestückt jeweils einem 400 Watt HQL-Leuchtmittel (zuzüglich Verlustleistung des konventionellen Vorschaltgerätes), ersetzten wir  durch Siteco LED-Hallenstrahler mit einer Leistungsaufnahme von 230 Watt.

Im Gegensatz zu HQL-Strahlern lassen sich LED-Strahler schalten, bzw. bei Bedarf dimmen. So wurden die einzelnen Lagergänge zusätzlich mit Sensoren ausgestattet. Das Licht schaltet sich selbstständig ein sobald ein Gabelstapler erkannt wird. Ein etwas ausführlicherer Beitrag zum Thema LED-Beleuchtung ist in der Zeitschrift Photovoltaik, Ausgabe 11 erschienen.

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Grundsätzlich sollte bei der Beleuchtung auf die Produktqualität (Markenprodukte) und technische Sinnhaftigkeit geachtet werden. So ist der Einsatz von Retrofits bei Hallenstrahlern, Halogenflutern und auch PLL-Leuchten in der Regel unsinnig.

Weiterhin lohnt es sich die Anbieter des Allheilmittels LED zu prüfen. So ist der Getränkemarkt links von der LightLife inzwischen ein von uns oft besuchter Showroom, dass perfekte Beispiel für eine Fehlinvestition.

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Statt „ewig“ hielten die neuen energiesparenden LED-Röhren keine zwölf Monate. Die berechtigten Garantieansprüche erwiesen sich als wertlos, da der Anbieter zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet hatte.

Lichtkunst

Das auch die Lichtkunst von modernen Technologien profitiert zeigt die leider letzte Arbeit von Otto Piene am neuen LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster.

 

Die ursprüngliche „Silberne Frequenz“ aus dem Jahr 1971 beinhaltete 639 Aluminiumkugeln, bestückt mit jeweils einer 100 Watt-Glühbirne. Aus heutiger Sicht hatte das damalige Fassadenkunstwerk eine maximale Leistungsaufnahme von unglaublichen 63.900 Watt.

Für die Neueröffnung 2014 wurde die Arbeit von Piene persönlich nochmals überarbeitet und neu inszeniert. Die Anzahl der Kugeln wurde auf 410 reduziert, das Material änderte sich von Aluminium in Edelstahl. Statt der Glühbirnen leuchten in jeder einzelnen Kugel nun 24 LED´s, inklusive einem digitalen Regelkreis sowie einer Gesamtleistungsaufnahme von 8 Watt.

Otto Piene selbst beschrieb die Installation kurz vor seinem Tod im Juli 2014 als „wunderbar“.

 

 

 

Über den Autor

Antonius Quodt ist der kreative Kopf und Geschäftsführer der LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH in Köln, Berlin und Wien.

  • Erhebliche Reduzierung der Betriebskosten durch Erneuerbare Energie und Elektromobilität
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  • 66.666 km sowie die Freude darüber, bereits vor Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben
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  • Visueller Reichweiten-Extender für smart electric drive
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  • Kostenfrei Tanken bei der LightLife
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