| NEULAND Eine richtungweisende Installation befand sich von Januar
bis März dieses Jahres in den Schaufenstern des Beleuchtungshauses Remagen am Neumarkt in
Köln. Beginnend im Passagenprogramm der Möbelmesse fanden die Passanten die interaktive
Installation Touch me vor, die von Antonius Quodt gestaltet und organisiert wurde. Auch
abseits der Öffnungszeiten hatte man die Möglichkeit, Lichtstimmungen zu schaffen, eine
interaktive Galerie zu besuchen oder einfach nur mit Licht zu spielen.
Egal wie ansprechend Schaufenster gestal- tion dazu
noch den Vorteil, bestimmte tet sind, ein Manko ist allen gemeinsam nach dem in
Deutschland immer noch rigide gehandhabten Geschäftsschluss bleibt den Kunden nur der
Blick in die Auslage. "Die Einbringung von automatisierter Technik bietet hier
eineVielzahl von Lösungen, die der Gestaltung und schließlich derVerkaufsförderung
dienen", so Heinrich Remagen, Geschäftsführer des Beleuchtungshauses Remagen. Für
den Bereich Licht bietet die interaktive Installation dazu noch den Vorteil, bestimmte
Stimmungen oder Lichtwirkungen demonstrieren zu können, etwas, das weit über die
Möglichkeiten von Prospekten oder Displays hinausgeht.
Die Installation Touch me nutzte die räumliche Situation mehrerer
getrennter Schaufenster, um verschiedene Inhalte zu präsentieren. Am ersten Fenster
konnten die Besucher sich als Licht- und Sounddesigner erproben, und zwar an einer
Originalbühne, wie sie eigentlich aus Rockkonzerten bekannt ist. Im Schaufenster handelte
es sich allerdings um einen Nachbau im Maßstab 4: 1. Diese zunächst als Spielzeug
verkannte Bühne ist bei näherer Betrachtung ein Werkzeug, an dem Künstler wie BAP oder
Peter Maffay ihre Bühnendarbietungen proben, bevor diese im Maßstab 1: 1 errichtet
werden. Die Schaufenster wurden mit Folien beklebt, hinter denen sich Kontaktflächen
verbergen. Berührten nun die Betrachter die Folie von außen, waren plötzlich Gitarren,
Orgeln, Synthesizer oder ein
Schlagzeug zu hören und die, Scheinwerfer begannen zu
blinken. Wie bei einem richtigen Konzert also nur, dass der Betrachter den Verlauf bestimmen
konnte. Im zweiten Fenster konnten die Besucher die Wirkung verschiedener Leuchten in
einem Raum erproben. Diese speziell auf das Beleuchtungshaus Remagen zugeschnittene
Ausstellung beschreibt die bereits bekannte Problematik. Im Allgemeinen zeigt einLeuchtenfachhandel
eine Vielzahl von Leuchten im Fenster, meist eingeschaltet. Die W'rkung einer einnzelnen
Leuchte zu erkennen fällt dem Betrachter entsprend schwer. Auch in diesem Fenster konnten
die Betrachter nun aktiv mitwirken. Uber sechs Fensterkontakte konnten die Besucher
einzelne Lichtstimmungen abrufen. Zusätzlich zu den Lichtstimmungen waren über
Lautsprecher eigens für diese Ausstellung komponierte Klangkollagen zu vernehmen, die auf
die Wirkung der einzelnen Lichtszenen abgestimmt waren. Das technisch aufwendigste dritte
Fenster zeigte bereits realisierte Projekte des Lichtkünstlers Antonius Quodt, sowie
einige Exponate und Prototypen, die für die ausgestellten ProJekte angefertigt wurden.
Der Blick der Betrachter fiel zunächst auf vier
Bilderrahmen, die "lebende Bilder" zeigten. Im Ruhezustand brannte in einem Bild
ein Feuer, in einem anderen schneite es oder es waren Ölprojektionen zu betrachten.
Berührten die Betrachter nun eine der vier Kontaktflächen auf der Schaufenstersche'be,
verschwand das "lebende Bild" und es wurden Dias oder Filme zu den einzelnen
ProJekten gezeigt. Zusätzlich wurden einige Exponate aktiviert. So zum Beispiel vier
Stränge des Lichtkokons aus dem Essener Meteorit-Park (siehe HIGHLIGHT 6/1998) und zwei
Prototypen der Gewitterstangen aus den Kristallwelten von Swarovski (Siehe HIGHLIGHT
1/1999).
Im vierten Fenster wurden einige Werke der Kölner
Malerin Ursula Wandel gezeigt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Galerien waren die Bilder
zunächst unbeleuchtet - erst das Berühren einer Kontak-tfläche aktivierte die Galerie.
Das ausgewählte Bild wurde nun entsprechend ausgeleuchtet und die Künstlerin selbst
erläuterte über Lautsprecher den Inhalt der einzelnen Werke. Dieses Fenster
verdeutlichte besonders die Möglichkeiten, die die interaktiveTechnik auch für andere
Branchen oderAnwendungen bietet,
Das Lichtgästehaus als abschließender Teil der Installation hat
die Besucher eingeladen, mit Licht zu spielen. Auf einer lichtsensitiven Wand konnte mit
einem Stift, der eine LED als Mine nutzte, geschrieben werden. Für etwa 30 Sekunden war
das Geschriebene noch sichtbar
Technisch realisiert wurde die Installation über einen Controller
der die einzelnen Kontakte der Fenster auswertet und dann der Programmierung entsprechend
Lichtszenen aktiviert, Klänge oder Gesprochenes als mp3-file abspielt. Die Sensoren
selbst wurden von innen an die Scheiben geklebt, die Beschallung erfolgte über kleine
Lautsprecher über den Fenstern.
Wegen der unterschiedlichen Ausstellungsbereiche bestand zunächst
die Gefahr, dass mit vielen Besuchern und den entsprechenden Tastenbetätigungen, ein
akustisches Chaos ausbricht. Um dies zu vermeiden komponierte HaGü Schmitz einen
Klangteppich, der in alle Ausstellungsbereiche eingespielt wurde. Mit dem Berühren der
Kontakte aktivierten die Besucher nun zusätzliche Klänge und Geräusche, die auf den
Basisklang abgestimmt waren, so dass sich der komplette Ausstellungsbereich in akustischer
Harmonie zeigte.
Die Installation wurde zu einem
großen Erfolg. Schien es auf den ersten Blick nicht mehr als ein normales Schaufenster
mit einigen Exponaten, begannen die Kölner sehr schnell zu erforschen, was mit der
Aufforderung Touch me gemeint war.
Kaum Jemand blieb nicht etwas länger an den Fenstern stehen, um
alle Effekte und Möglichkeiten auszuprobieren - und das ist am hektischen
Verkehrsknotenpunkt Neumarkt eine Leistung. Und auch für das traditionsreiche
Beleuchtungshaus Remagen bedeutet die Installation einen großen Schritt in Richtung
Zukunft, da durchTouch me Kompetenz und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Spezialisten
dokumentiert wird. Dies wurde in vielen ProJek-ten zwar schon längere Zeit durchgeführt,
aber diese Installation zeigt auch nach außen den Schritt vom Leuchtenfachhandel zum
echten Lichtspezialisten. Hannah Vater, Lis Miebach, mh |