Bischöfliches Generalvikariat Münster | St.-Paulus-Dom

 



Lichtgestaltung im Hohen Dom St. Paulus Münster

Genau 470 Tage blieb die prächtige Innenansicht des St. Paulus Doms interessierten Besuchern verborgen. Wegen der umfassenden Renovierung blieb die Kathedrale für diesen Zeitraum komplett geschlossen. Am 16. Februar diesen Jahres wurde mit der ersten Vesper der Wiedereinzug in den ausschließlich mit LED-Technik illuminierten Dom gefeiert.

„Wie oft bin ich den letzten Monaten gefragt worden: Wann ist es denn wieder so weit, dass der Dom wieder geöffnet wird? Viele Bürgerinnen und Bürger von Münster bekunden mit einer solchen Aussage dass der Dom zu ihnen gehört. Es ist erstaunlich das in einer Zeit, in der so oft von Rückgang, von Kirchenaustritten und Kirchenkritik die Rede ist, in der es so aussieht, als ob viele keinerlei Kontakt mehr zur Kirche hätten, der Dom gefragt ist. Er gehört offenbar zu Münster.“, so die Worte von Bischof Felix Genn anlässlich der Wiedereröffnung des St.-Paulus-Doms.

Auch Dompropst Josef Alfers zeigte sich nach der Fertigstellung begeistert: „Die Helle des Raumes hat mich als Allererstes beeindruckt. Und die Tatsache, dass die Architektur durch die neue Beleuchtung auch zu verschiedenen Tageszeiten zur Geltung kommen kann. Man kann den Dom ganz anders erleben.“ Dompropst Josef Alfers emeritierte im Mai diesen Jahres und überreichte das Amt an Kurt Schulte, der vom Domkapitel zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Auf die Frage, ob es nicht schmerzlich sei das Domkapitel zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Doms zu verlassen äußerte es sich wie folgt: „Ich habe eher das Gefühl der Dankbarkeit. Ich habe mir nicht unbedingt gewünscht, dass ich für die Renovierung in der Zeit Verantwortung übernehmen müsste. Sie ist jetzt Gott sei Dank zu einem sehr schönen und glücklichen Abschluss gekommen. Und: Ich bleibe ja als Dompropst Emeritus in der geistlichen Lebensgemeinschaft des Domkapitels und habe auch in Zukunft die Möglichkeit, hier Gottesdienst zu feiern und am Chorgebet teilzunehmen.“

Tätige Denkmalpflege

Die Renovierung des Doms beanspruchte rund 14 Millionen Euro, die ohne Zuschüsse von Stadt oder Land erbracht wurden. Bischof Felix Genn bedankte sich während seiner Eröffnungsrede ausdrücklich bei den Kirchensteuerzahlern, sowie den 51 Handwerksbetrieben die bei der Renovierung mitgewirkt hatten. Die viel gelobte neue Helligkeit im Dom ist, trotz der neuen Beleuchtungsanlage, das Resultat vieler Gewerke die den Dom nun in seiner Gesamtansicht erstrahlen lassen. Dom- und Diözesanbaumeister Georg Wendel hat den Dom von Grund auf bearbeiten lassen. „Wir haben zum Teil noch den Stand des Nachkriegs-Wiederaufbaus vorgefunden. Seitdem war dies die größte Außen- und Innensanierung des Doms.“ Sämtliche Elektroleitungen wurden erneuert und die Heizung auf Erdwärme umgestellt, was 56 Tonnen Kohlenmonoxid-Emissionen pro Jahr einsparen soll. Die Heizkosten lassen sich voraussichtlich jährlich um 13.000 € reduzieren. Auf dem Dach mussten alle Kupferplatten erneuert werden, insgesamt etwa 5500 Quadratmeter, was der Fläche eines Fußballfeldes entspricht. Der bisherige Stahl- wurde durch einen Eichenglockenstuhl ersetzt. Holz ist das historische Material und unterstützt den Glockenklang intensiver. Dazu wurden Hölzer mit einem Querschnitt von 32 mal 40 Zentimetern verwendet, aus einem Stamm geschnitten, bei Längen bis zu sieben Metern. Insgesamt wurden rund 24 Kubikmeter Eichenholz verarbeitet. „Prinzipien, Maße und Materialien der Vorgänger-Architekten bestimmen unsere Arbeit wesentlich. Es brauchte viel traditionelle Handwerkskunst“, so Georg Wendel.

Rund 25.000 Kubikmeter Gerüst wurden aufgestellt, was für die Einrüstung von 80 Einfamilienhäusern reichen würde. 6400 Quadratmeter Wandfläche bekamen nach der Reinigung einen Kalklasuranstrich. Das aktualisierte Brandschutzkonzept sah, neben verbessertem Blitzschutz, den Einbau einer Trockensteigleitung vor, durch die im Brandfall nun große Mengen Löschwasser in den Bereich von Hauptdach und Glockenturm transportiert werden können.

Bauleiterin Monika Göddeker, gebürtige Münsteranerin, hat die Außen- und Innensanierung des St.-Paulus-Doms betreut. „Wir haben nicht gezögert, den Auftrag anzunehmen, auch wenn uns klar war, dass wir uns drei Jahre lang fast ausschließlich auf den Dom würden konzentrieren müssen.“ Nur für die Kapellen rund um den Hochchor konnte sie sich als Kind nicht recht erwärmen. „Da fand ich es ein bisschen dunkel und unheimlich.“ Nun hat die Architektin an der Sanierung mitgewirkt, die Schluss macht mit dem Dunkel im Dom: Die neue LED-Beleuchtung leuchtet nicht nur den Altarraum und die Bänke im Haupt- und Querschiff aus, sondern bringt auch Licht in manche zuvor dunkle Nische im Kapellenkranz.

Lichtgestaltung über Gutachterverfahren

Das Gewerk Lichtgestaltung sollte ebenfalls den hohen gestalterischen und technischen Anforderungen des Domkapitels genügen. Für die Ausleuchtung des St.-Paulus-Doms wurde eigens ein begrenzter Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben. Die teilnehmenden Architekturbüros sollten zur Bearbeitung des Lichtkonzepts weitere Kompetenzen hinzuziehen: „Verpflichtend vorgeschrieben ist die Beteiligung von Lichtplanern bzw. Ingenieurbüros der technischen Gebäudeausrüstung mit Referenzen in der Kirchenausleuchtung, die spätestens zum Kolloquium benannt werden müssen.“ Das hochkarätig besetzte Gremium beriet sich unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, zu dieser Zeit Dombaumeisterin des Kölner Doms.

Prozess der Lichtplanung

Das Lichtkonzept sollte die Architektur des St. Paulus-Doms hervorheben. „Wir wollten von Anfang an keine spektakulären Leuchten. Es galt, eine Balance zwischen technischen Möglichkeiten und ästhetischem Empfinden zu finden.“, sagt Hannes Hermanns. „Vor der offiziellen Schließung des Doms haben wir Lichtstärken zwischen 18 und 20 Lux gemessen“, erinnert er sich. Zwar gebe es für Kirchen keine bauliche DIN-Norm, aber eine Faustregel. Danach müsse in Kirchen eine Lichtstärke von ungefähr 80 Lux erreicht werden. Derartige „Faustregeln“ und deren unbekannter Ursprung stießen widerum auf wenig Verständnis bei Quodt. Solche Angaben empfand er so hilfreich wie die Angaben über Lumen-Pakete eines Industrievertreters.

Weiterhin erforderten die anfänglich unterschiedlichen Beleuchtungskonzeptionen von Dom- und Diözesanbaumeister Georg Wendel, sowie Lichtdesigner Antonius Quodt zu zahlreichen Testaufbauten, um dann schließlich mit ungewöhnlichen Lösungen ein optimales Beleuchtungsergebnis zu erreichen. Als anschauliches Beispiel dienen hier zwei spezielle Linsenstrahler, die in den beiden Vierungen in knapp 26 Metern Höhe unterhalb der Schlusssteine positioniert wurden. Sowohl im Altarraum, als auch in der Westvierung, gibt es zahlreiche Szenarien mit Positionen für Chöre und spezielle sakrale Anlässe, die für die unterschiedlichen christlichen Messen und Feiern benötigt werden. Nur diese ausgewählten Positionen sollten, je nach Anlass, dann auch Licht erhalten.

Zunächst wurde zeichnerisch ermittelt, mit welchen LED´s und Optiken hier das gewünschte Ergebnis zu erreichen war. Die ideale Konstellation errechnete sich mit 18 LED-Strahlern mit 9° Optik. Jede einzelne Leuchte im Linsenstrahler ist separat ansteuerbar, so dass sich alle gewünschten Zonierungen programmieren lassen.

Insgesamt wurden rund 120 Messingleuchten für den Dom hergestellt. Leuchten in unterschiedlicher Größe, die aber allesamt eines gemeinsam haben: Egal ob sie im Kirchenschiff, in der Kapelle oder im Kreuzgang montiert sind – sie alle haben die gleiche Form im identischen Höhen- und Breitenverhältnis. Bis auf wenige Ausnahmen, sind alle Dom-Leuchten mit kalt- und warmweißen LED´s bestückt und ermöglichen so einen individuellen Wechsel der Farbtemperatur. „Von der Werktagsmesse bis zum Pontifikalamt. Früher wurde Licht nur an- und ausgestellt, heute ist es differenziert nutzbar“ so abschließend Professor Hermanns.

Steuerung und Bedienung

Sämtliche LED-Einsätze aller Leuchten und Strahler werden mit externen Regeleinheiten stromgesteuert getrieben. Bereits ein einziger der 18 „Lichtspeier“ im Mittelschiff beherbergt drei seperate LED-Strahler, von denen einer das Gewölbe ausleuchtet und zwei nach unten die Besucherbänke anstrahlen. Jeder der drei Einzelstrahler beinhaltet warm- und kaltweiße LED`s welche ebenfalls separat von 0 – 100% dimmbar sind. Sämtliche Regelkreise im Dom sind miteinander vernetzt, als Steuerprotokoll wird DMX512/1990 genutzt.

Die Bedienung erfolgt über ein großzügiges Touch-Display in der Sakristei auf dem alle Leuchten und Flächen innerhalb des Doms graphisch dargestellt sind. Zusätzlich sind in der Benutzeroberfläche Schaltflächen mit Szenarien integriert mit der sich Standards wie „Besucherbeleuchtung Tag“ oder „Liturgische Beleuchtung“ anwählen lassen. Die Besucherbeleuchtung ist darüber hinaus mit einem Tageslichtsensor gekoppelt und passt die Helligkeit im Dom außerhalb der Gottesdienste entsprechend an die Außenverhältnisse an.

Text | Markus Nolte (Redaktion Kirche + Leben) | Johannes Bernard (Redaktion Kirche + Leben) | Jens Joest (Redaktion Kirche + Leben) | Ralf Thier-Hinse (Redaktion Kirche + Leben) | Sandra Kramp

Fotos | Andreas Lechtape

Weitere Informationen
www.kirche-und-leben.de
www.paulusdom.de

Dom- und Diözesanbaumeister
Georg Wendel

Gruppenleiter Abteilung Bauwesen
Bischöfliches Generalvikariat Münster | Heinz-Wilhelm Elpers

Abteilung Bauwesen
Bischöfliches Generalvikariat Münster | Franz-Josef Gaber

Projektsteuerung
Stefan Schopmeyer

Bauleitung
Architekturbüro Hülsmann GmbH, Münster | Monika Göddeker

Projektteam Beleuchtungsplanung
Hermanns Architekten, Bonn | Hannes Hermanns und Susanne Klösges;
LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH, Köln | Antonius Quodt und Lukas Gössling

Projektteam Back-Office
LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH | Florian Kick, Alexander Rott, Robert von der Weyden, Bastian Berkhahn, Marius Berkhahn, Sandra Kramp und Anna Tyrol

Fachplaner TGA
WINKELS BEHRENS POSPICH Ingenieure für Haustechnik GmbH, Münster | Andreas Winkels, Joachim Behrens und Detlef Pospich

Leuchtenbau
Interferenz Lichtsysteme GmbH, Tönisvorst | Markus Korsch

Leuchtengehäusebau
SAAGE Treppenbau & Biegetechnik GmbH & Co. KG, Nettetal-Leuth | Detlef Saage

Elektrotechnik, Leuchtenmontage
elektro Heikes GmbH & Co. KG, Münster

Gremium
Dompropst | Josef Alfers
Architekt | Achim Dejozé
Weihbischof | Dr. Christoph Hegge
Domkapitular | Martin Hülskamp
Generalvikar | Norbert Kleyboldt
Architekt + Diözesanbaudirektor i. R. | Prof. Alois Peitz
Architektin + Dombaumeisterin Köln | Prof. Dr. Barbara Schock-Werner
Architekt + Stadtdirektor | Hartwig Schultheiß
Architekt + Diözesanbaudirektor | Georg Wendel
Architekt | Friedrich Wolters
Architekt + Dezernent Stadt Münster | Siegfried Thielen
Architekt | Peter Wörmann

Sachverständige Beobachter
Bischöfliches Generalvikariat Münster | Dipl.-Ing. Heinz-Wilhelm Elpers
Vorsitzender Kunstkommission im Bistum Münster, Dechant | Thomas Frings
Architekturbüro Hülsmann GmbH | Monika Göddeker, Architektin
Diözesankonservator | Dr. Udo Grote
Praktische Denkmalpflege im Kreis Steinfurt | Dr. Barbara Seifen (für Dr. Markus Harzenetter)
Untere Denkmalbehörde Stadt Münster | Marlies Voss

Vorprüfer
Architekt | Stefan Schopmeyer
Architektin Büro Schopmeyer | Claudia Carl

Fotos
Andreas Lechtape


    8x Butler Bulk Edition
21x DMX2CC 12CH 340/700mA
150x DMX2CC 6CH 350/700mA
170x TX Wall Washer XB-18 DW
61x LDV Downlight M 830 L36 WT

Hinterlasse eine Antwort