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mein schönes zuhause³

Schöner Leben - Schöne Häuser - Schöne Gärten
erscheint sechs Mal im Jahr
in der biz Verlag GmbH Berlin

Inhalt

Ihr blaues Wunder

Fast jeder wünscht sich ein bisschen mehr Farbe im Leben. Nicht der schlechteste Weg dahin führt übers Licht.

Licht ist Wärme, Energie und Ausstrahlung. Licht ist Leben. Licht ist aber auch Farbe. Die helle Freude, die sich über richtiges Licht einstellen kann, erlebt der Mensch nicht allein im Kontrast von Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß, Licht und Schatten. Sie vermittelt sich auch über Farben. Licht ist Farbe, und Licht schafft Farbe. Es heißt, dass das menschliche Auge rund 350.000 Nuancen erfassen kann. Farben beruhigen oder stimulieren das menschliche Auge. An farbiges Licht - im Unterschied zu warmweißem, neutral-weißem oder tageslichtweißem - denken Frau und Mann vor allem dann, wenn sie in einem Raum ein besonders angenehmes Ambiente schaffen wollen. Und ein vollkommener Sonnenuntergang am Meer ist bekanntlich gleichermaßen ein Licht- wie ein Farbereignis. Wir haben den renommierten Kölner Lichtdesigner Antonius Quodt nach dem Für und Wider beim Einsatz von farbigem Licht im Haus befragt. Quodt hat mit DIVA D, einer überaus dekorativen Leuchte, die ohne eigenes Leuchtmittel auskommt, die „Leuchte des Jahres 2003" kreiert, aber auch das Lichtdesign für den von Andre Heller entworfenen Fußball-Globus der FIFA (siehe  Foto Seite 16) für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland gestaltet.

Mag das menschliche Auge farbiges Licht? Warum?

Antonius Quodt: Die Frage lässt sich zunächst mit einem klaren Ja beantworten. Das Farbempfinden des Menschen lebt von Kontrasten, dem Zusammenwirken unterschiedlichster Farbeindrücke. Diese können positive und negative Emotionen wecken. Zu den gängigsten positiven Eindrücken zählt zum Beispiel der Anblick eines Sonnenblumenfeldes oder eines Sonnenuntergangs über dem Meer. Dabei ist das Empfinden von farbigem Licht regionalen Unterschieden unterworfen. Innerhalb Deutschlands sind Rot/Blau-Kontraste gern gesehene Eindrücke. In England hingegen erfreuen sich die Menschen eher an Rot/Grün- oder Rot/Gelb-Kombinationen.

Wirken diese Unterschiede nur bei farbigem Licht?

Antonius Quodt: Nein. Auch im Bereich der „weißen" Beleuchtung gibt es große Schwankungen im Empfinden. Der Bereich des „weißen" Lichts erstreckt sich dabei grob über eine Farbtemperatur von 2.000 Kelvin bis 18.000 Kelvin. Je höher die Farbtemperatur, desto „kälter" empfinden die Menschen das „weiße" Licht. Begonnen beim einfachen Kerzenlicht mit ca. 2.000 Kelvin, über eine herkömmliche Glühbirne mit ca. 2.800 Kelvin, umfasst das Spektrum des „weißen Lichts" auch den blauen Tageslichthimmel mit weit über 10.000 Kelvin.

Welches Licht wird allgemein als angenehmer empfunden - „kaltes" oder „warmes"?

Antonius Quodt: Zunächst: Je niedriger die Farbtemperatur, desto mehr Rotanteile finden sich im Spektrum. Bei hohen Farbtemperaturen überwiegt der Blauanteil. Physikalisch betrachtet ist „rotes" Licht kälter als „blaues" Licht. Die meisten Deutschen empfinden das „wärmere Licht" als angenehmer. Diese Aussage ist jedoch mit gewisser Vorsicht zu betrachten, denn auch hier spielen regionale Unterschiede eine große Rolle. Je mehr die Menschen aus Gebieten mit hoher und ständiger Sonneneinstrahlung stammen, desto eher wird „kaltes" Licht zur Raumausleuchtung gewählt. Gut zu beobachten ist diese Tatsache an italienischen Eisdielen oder türkischen Kulturcafes. Dort findet sich oft eine Beleuchtung mit einfachen Leuchtstofflampen, die recht kaltes Licht abgeben. Das Gegenteil ist etwa in Finnland zu beobachten. Dort wo es recht früh dunkel wird und oft und lange Schnee liegt, werden „warme" Lichtquellen bevorzugt Selbst die normale Straßenbeleuchtung wird in finnischen Städten oft in einer recht intensiven Rot/Gelb-Tönung ausgeführt. Deshalb halte ich die einfache Übernahme von asiatischen Farbtheorien, zum Beispiel bei der Raumplanung nach Feng Shui, für eine gewagte Methode. Und an dieser Stelle auch noch die Klärung eines weit verbreiteten Irrtums: Wir kennen alle die Vorliebe von Kindern, bei wenig Licht heimlich unter der Bettdecke zu lesen, obwohl sie eigentlich schon schlafen sollten. Uns allen klingen noch die Warnungen der Eltern im Ohr: „Kind, du verdirbst Dir die Augen!" Wenig Licht verdirbt aber nicht die Augen oder schränkt das Sehvermögen ein. Lesen bei wenig Licht hat nur zur Folge, dass sich Augen und Gehirn mehr anstrengen müssen. So tritt schnell Müdigkeit ein. Was aber wünschen sich Eltern mehr als schlafende Kinder? Wir bekommen ja auch keine „schlechten" Ohren, wenn wir zu leise Musik hören. Das Gegenteil ist der Fall.

Für welche Situationen im Haus empfehlen Sie farbiges Licht besonders?

Antonius Quodt: Für Bereiche, in denen ein angenehmes Ambiente geschaffen werden soll. Welche Lichtfarben oder Farbtemperaturen gewählt werden, sollte individuell entschieden werden. Was gefällt, ist gut.

Welche Lichtfarben lassen einen Menschen  gut, vorteilhaft aussehen?

Antonius Quodt: In der Regel Pastelltöne in Zartrosa oder Amber, welche die Hautfarbe betonen. Im Bereich Studio oder Bühne gibt es spezielle Farbfilter, so genannte „Kosmetikfilter" Sie lassen Moderatoren oder Darsteller besonders attraktiv erscheinen. Derartige  Filter finden sich inzwischen oft auch  in Supermärkten oder Geschäften jeder Art.  So kann man mit ein wenig farbigem Licht  speziell Fleischprodukte oder Gemüse besonders attraktiv ausstellen.

Lassen sich mit farbigem Licht Effekte für  Raumgröße und -höhe erzielen?

Antonius Quodt: Raumwirkungen wie Höhe und Größe können eher durch die Anordnung von Leuchtkörpern definiert werden. So lassen Streiflichter vom Boden an eine Raumdecke den Raum eher höher und größer erscheinen. Zudem werden eventuelle Wandstrukturen betont, was einer Wand, die mit Streichputz behandelt worden ist, besonderes Ambiente geben kann. Derartige Streiflichter sollten aber nur bei existenter Struktur eingesetzt werden. Beim Anstrahlen „glatter" Wände machen sie schnell handwerkliche Defizite sichtbar.

Wo und wann hat farbiges Licht im Haus generell nichts zu suchen?

Antonius Quodt: Ich möchte mir nicht anmaßen, farbiges Licht zu verbieten. Was dem Menschen gefällt, ist gutes Licht. Das vorausgeschickt, gibt es natürlich viele Bereiche im Haushalt, in denen farbiges Licht unpassend wäre. Etwa intensives rotes Licht in der Küche oder grünes Licht in einer Werkstatt. Auch ein romantisches Abendessen mit Partnerin oder Partner unter weißen Leuchtstofflampen schafft nicht das gewünschte Ambiente.

Reagieren Frauen wesentlich anders als Männer?

Antonius Quodt: Derartige Unterschiede sind mir bisher nicht aufgefallen.

Ist die Aufgeschlossenheit des Menschen für farbiges Licht jahreszeitabhängig?

Antonius Quodt: Nach meiner Einschätzung, ja. Die Menschen tauschen die Glühbirnen aber nicht nach Jahreszeit aus. Im Winter werden jedoch verstärkt Kerzen angezündet, um eine warme und gemütliche Atmosphäre zu schaffen.

Rührt oft zu beobachtender Weihnachts-Überdruss auch daher, dass Menschen zu lange mit farbigem Licht „behelligt" worden sind - auf Straßen, in Geschäften, unterm Baum?

Antonius Quodt: Dass der Einzelhandel viel zu früh beginnt, uns „Weihnachtsgefühle" aufzuzwängen, ist ein Problem. Mancher Überdruss an Festbeleuchtung findet seine Ursache aber eher in der immer gleichen Dekoration von der Stange. Originelle oder liebevoll gestaltete Kreationen werden dagegen von den meisten Menschen sicher als angenehm empfunden.

Wo verläuft für Sie in punkto Farbigkeit  die Grenze zwischen Kitsch und Kunst?

Antonius Quodt: Über die Kombination von Farben ist ähnlich schwer wie über Kunst zu urteilen. Aus meiner Sicht steht Kunst immer im Zusammenhang mit „Können" oder „Handwerk". Ich möchte bei einem Objekt die Gedanken der Gestalter nachvollziehen können. Ob mir die jeweilige Farbauswahl dann immer gefällt, ist nebensächlich. Ein positives Beispiel ist hier nach meiner Überzeugung die Gestaltung des Kunsthauses Bregenz durch den New Yorker Neonkünstler Keith Sonnier (siehe Foto Seite 14). Als negatives Beispiel nenne ich den Trend zur plakativen Weihnachtsbeleuchtung an vielen Einfamilienhäusern. Diese oft nach dem Motto „Viel hilft viel" bestückten Häuser sind für mich ein visuelles Ärgernis.

Wird farbiges Licht in Privaträumen heute mehr als früher eingesetzt?

Antonius Quodt: Zurzeit ist farbiges Licht „trendy", eine Mode, die sicher auch wieder etwas abklingen wird. Zudem gibt es mit „neuen" Leuchtmitteln wie der LED-Technik zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten wie die farbige Illumination von Möbelstücken, die erst durch diese Technik möglich wurden. Das Bewusstsein für farbiges Licht und dessen Gestaltungsmöglichkeiten ist in den letzten Jahren gewachsen, speziell unter jüngeren Menschen.

Läuft farbiges Licht letztlich nicht Gefahr, bonbonhaft zu wirken, und ist nicht jedes farbiges Licht im Zweifel nur halb so schön wie - zum Beispiel - Kerzenlicht?

Antonius Quodt: Auf die Kombination von Farben kommt es an. Aber es stimmt: Der Pfad zwischen Kitsch und Ambiente ist nicht sehr breit.

Es fragte Rainer Oschmann