Die Funktion des Werkstoffes Glas beschränkt sich auf seit einiger Zeit
nicht mehr nur auf die Füllung von Fenstern und Türen. Der Werkstoff Glas ist zu einem
festen Bestandteil der aktuellen Architektur geworden. Ein Baustoff mit vielfältigen
Getsaltungsmöglichkeiten und definierbaren statischen Eigenschaften. So entstehen heute
komplette Fassaden aus Stahl und Glas mit Ihren unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.
Licht und Glas
Ein wesentlicher Nachteil moderner Glasfassaden wird
in den Abendstunden ersichtlich. Glasfassaden lassen sich nur schwer beleuchten oder durch
Licht inszenieren. Die vielen Vorteile, die eine Glasfassade am Tage zeigt, verblassen in
den Abendstunden. Und dies in einer Zeit, in der Architekturbeleuchtung immer mehr an
Bedeutung gewinnt, und diese zu einem wesentlichen Bestandteil der modernen Architektur
geworden ist. Glas lässt sich, wie Wasser, begründet durch den geringen Reflexionsgrad,
nicht beleuchten. Das was das menschliche Auge als sichtbares Licht wahrnimmt, sind
elektromagnetische Wellen, die vom Auge und dem Gehirn als Farbe und Helligkeit
interpretiert werden. Betrachtet der Mensch als zum Beispiel einen roten Gegenstand, so
reflektiert die Oberfläche dieses Gegenstandes einige Wellenlängen des einfallenden
Lichtes in das menschliche Auge, wo diese vom Gehrin als Farbe "Rot"
interpretiert werden. Der Grund, weswegen der Mensch den Gegenstand als roten Gegenstand
wahrnimmt ist als mit der Reflexion definierter Wellenlängen begründet. Der Werkstoff
Glas definiert sich unter andrem durch einen möglichst geringen Reflexionsgrad, um die
Transparenz zu gewährleisten. Wenn Glas beleuchtet werden soll, muß also eine
zusätzliche Reflexionsebene geschaffen werden. Dies kann durch Nebel oder eine
Satinierung des Glases erreicht werden, jedoch mit dem Nachteil, das dieses Glas nun nicht
mehr transparent ist.
Fassadenbeleuchtung
Das Problem moderne Glasfassaden zu inszenieren ist
vielschichtig. Zum einen soll die Architektur in den Abendstunden hervorgehoben werden,
zum anderen sollen die in den Gebäuden tätigen Menschen nicht durch die Beleuchtung
beeinträchtigt, oder gar gestört werden. Weiterhin kann die Lichtgestaltung einer
Glasfassade sehr zu Ihrem Nachteil beeinträchtigt werden wenn nachts in einem Hochhaus
einzelne Büroetagen illuminiert bleiben.
Ein weiterer Aspekt der Fassadenbeleuchtung
resultiert erneut aus dem Aufnahmevermögen des menschlichen Sehprozesses. Der Mensch
nimmt Licht intensiver wahr, wenn er direkten Blickkontakt in die jeweiligen Lichtquellen
erhält. Dies ist mit ein Grund für die Verbreitung der allgemein bekannten
"Neon-Leuchtwerbung". Illuminiertes Neonglas gehört zu den wenigen Lichtquellen
in die der Mensch direkt hineinschauen kann ohne geblendet zu werden. Diesen Vorteil des
"blendfreien Lichtes" birgt auch die heutige LED-Technologie in sich.
Hinsichtlich Energiebedarf, Leuchtmittellebensdauer und Farbvielfalt ersetzt die
LED-Technologie zunehmend die "Neonröhren" in Lichtwerbeanlagen. Ein
wesentlicher Vorteil bei dieser Technologie ist die Spannungsversorgung auf
Niedervoltbasis, womit die Hochspannungsversorgung von Lichtwerbeanlagen mit bis zu mehren
tausend Volt vollständig entfallen kann.
power glass®
Eine Art "Revolution" ist der Firma
Glas-Platz gelungen. Dort wurde erstmals Glas- und LED-Technologie miteinander kombiniert.
Wesentliches Merkmal der neuen Technologie ist die transparente Spannungszuführung zu den
einzelnen Leuchtdioden. Das weltweit patentierte Verfahren basiert auf einer Art
"transparenten Leiterplatte", ähnlich den Platinen in einem Fernsehgerät. Im
Unterschied zu herkömmlichen Platinen wird beim power glass® das Leiterbahnlayout auf
ein Trägerglas aufgebracht. Diese metallische und elektrisch leitende Schicht ist so
dünn, das Sie vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen wird. Im nächsten Arbeitsgang
werden die beidseitig abstrahlenden Leuchtdioden via Bestückungsautomat auf dem
Trägerglas positioniert. Im letzen Arbeitsgang wird eine zweite Glasplatte auf der
Bestückungsseite der Trägerplatte fixiert und das Ganze vergossen um es vor äußeren
Einflüssen zu schützen. Für den Betrachter entsteht der Eindruck, die einzelnen LED´s
leuchten ohne jede elektrische Verbindung. Dieses Verfahren eröffnet völlig neue
Möglichkeiten im Design von Leuchten oder gläsernen Fassaden. Lästige Kabel entfallen,
die Zuleitung bis zum Glas kann in der mechanischen Befestigung der Gläser untergebracht
werden. Als Standardanwendung liefert Glas-Platz bereits gläserne Trennwände für
Büroräume oder Treppenhäuser, deren völlige Transparenz durch eine filligrane,
beidseitig leuchtende LED-Linie zusätzlich akzentuiert wird.
Programmierbares power glass®
Zusätzlichen Reiz gewinnt die neue Glastechnologie
durch die Programmmierbarkeit der Einzelnen, in das Glas eingebrachten Leuchtdioden. Die
Kölner Firma LightLife, die im Feld der Architekturbeleuchtung auf beachtliche Referenzen
verweisen kann hat bereits erste Anwendungen mit der neuen Technik realisiert. Auf dem
Messestand der Autostadt GmbH auf der diesjährigen IAA in Frankfurt (Gesamtkonzeption:
3deluxe, Wiesbaden) konnten sich die Besucher auf großzügigen Sitzmöbeln entspannen.
Zwischen den Möbeln waren Glastische integriert, deren Tischplatten aus steuerbarem power
glass® gefertigt waren. Zusätzlich wurde ein Sensor in die Tischplatten eingebracht.
Ließen die Besucher sich nun in einem der Sitzmöbel nieder leuchtete zunächst die
komplette Tischplatte. Sobald die Besucher zum Beispiel Ihre Hand auf die Tischplatte
legten, begann ein Lichtspiel der Led´s in der Tischplatte, die Sitzmöbel begannen den
jeweiligen Besucher zu massieren und zusätzlich berieselten motorgesteuerte Lautsprecher
den Sitzplatz mit einer eigens dafür komponierten Klangcollage (Komponist: Hagü
Schmitz). Weitere Anwendungen der steuerbaren Glastechnologie sieht Antonius Quodt
(LightLife, Köln) im Bereich der Fassadengestaltung, gerade bei Fassaden aus Stahl und
Glas. In Planung befindet sich gerade ein mehrstöckiges Hochhaus mit doppelter
Glasfassade. Gemäß dem aktuellen Planungsstand werden steuerbare Glaselemente in die
Fassade eingebracht, über die sich Logos, Graphiken oder Texte auf die Fassade
übertragen lassen. Zusätzlich soll eine Anbindung an das Internet erfolgen, womit ein
einfaches Email einer großen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte. Die
geplante Installation bietet dem späteren Betrachter Eindrücke, die mit den bisherigen
Mitteln der Lichttechnik nicht realisiert werden konnten. So sind die abgebildeten Texte
oder Logos auch im normalen Tageslicht sichtbar. Auch allabendlich beleuchtete Büroetagen
können der Wirkung der Installation kaum etwas anhaben. Und die Menschen, welche zu
später Stunde noch tätig sein müssen, bemerken die vorhandene Installation nicht
einmal. Darüber hinaus eröffnet die Zukunft ungeahnte Möglichkeiten in der Gestaltung
und Lichtwerbung, unter Anwendung der neuen Glastechnologie. Ein herkömmliches
Fernsehbild besteht aus ca. 400 000 Pixeln, die sich jeweils durch einem roten, grünen,
und blauem Leuchtpunkt definieren. Man stelle sich nun eine Glasfassade vor, deren
Glaselemente mit RGB-Dioden bestückt wurden, die wiederum 400 000 Pixel bilden. Es
entstünde der vermutlich größte Farbbildschirm der Welt, und die Menschen im Innern
dieses Bildschirmes würden nicht einmal etwas bemerken.