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Licht und Farbe sind aus den heutigen
Veranstaltungen oder Bauvorhaben nicht mehr wegzudenken. So manche
Realisation benötigt nicht
200 Kilowatt Effektlicht, um beispielsweise ein neues Produkt einzuführen. Gutes
Licht und schöne Effekte beeinflussen den Menschen und somit den Kunden.
Licht und Farben
sind eigentlich
nichts anderes als eine Empfindung der Augen, die im Gehirn ausgewertet wird. Genauer
beschrieben, sind Licht und Farben elektromagnetische Wellen, die wir ähnlich auch beim
Radiohören nutzen. Der Unterschied zwischen Hören und farbigem Sehen liegt , grob
überblickt, nur in der unterschiedlichen Wellenlänge der elektromagnetischen Strahlung.
Eine kleine Differenzierung muss aber noch gemacht werden, da elektromagnetische Wellen an
sich nicht hörbar sind. Sie müssen, womit wir wieder beim Radio wären, in Schallwellen
umgewandelt werden und gelangen dann über das Medium Luft in unser Ohr. Noch ein
gravierender Unterschied zwischen Auge und Ohr ist folgender: Das Ohr ist in der Lage, aus
einem einfallenden Klangbild die einzelnen Töne getrennt zu hören, wohingegen das Auge
nicht fähig ist, einzelne Farben zu erkennen. Es sieht Farben immer als ein einheitliches
Ganzes. Beim farbigen Sehen spielen die Augen und das Gehirn zwangsläufig eine große
Rolle.
Die Augen
Aus dem breiten Band von Wellen zwischen
16Hz (tiefster vom Menschen wahrnehmbarer Ton) und kosmischer Strahlung von 1025 Hz
gibt es nur einen schmalen Bereich , der uns für das farbige Sehen eingeräumt wurde .
Das vom Menschen wahrnehmbare "sichtbare Licht", welches sich auch über alle
Farben erstreckt, beinhaltet die Frequenzen von 3,82×1014 Hz bis 7,8× 1014Hz,
was wiederum den Wellenlängen von 380nm bis 780nm(1nm=10-9m) entspricht. Das
Auge als Lichtempfänger läßt sich in zwei Komponenten teilen. Als erstes wären dort
ca. 110 Millionen Stäbchen, um Hell und Dunkel zu unterscheiden, sowie ca. 7 Millionen
Zäpfchen, die für die Farbempfindlichkeit zuständig sind. Die Stäbchen sind ungefähr
1000mal lichtempfindlicher als die Zäpfchen. In der Netzhautgrube des Auges befinden sich
die Zäpfchen, die Stäbchen verteilen sich auf der Netzhaut. Farbiges Sehen beruht auf
der Tatsache, daß sich die Zäpfchen wiederum in drei Typen aufteilen, die in
unterschiedlicher Anzahl vertreten sind. So wird unterschieden zwischen rot-, blau- und
grünempfindlichen Zäpfchen. Abb.2 zeigt die spektrale Helligkeitsempfindung der Augen in
Abhängigkeit der Wellenlänge. Die spektrale Helligkeitsempfindung erreicht bei 545 nm
ihr Maximum, was verdeutlicht, daß unser Auge für gelb-grüne Töne am empfänglichsten
ist. Diese Tatsache resultiert unter anderem aus dem Umstand, daß mehr Zäpfchen für
grün vorhanden sind als für rot und blau. Die Augen nehmen nur diese drei Grundfarben
wahr und bilden daraus im Gehirn jede für uns erkennbare Farbe. Ist ein Körper
angeleuchtet, werden dessen Moleküle zur Lichtemission angeregt. Dieses Licht erreicht
dann, oft über einige Umwege wie Reflexionen aus dem Bühnenhintergrund (z.B.
Spiegeldekos), die Augen. Die Annahme, daß Farben zu sehen sind, ist insofern falsch, da
jeder in der Lage, ist Farben "nur" zu empfinden. Von einem beleuchteten Körper
erhalten wir durch die Augen Farbeindrücke. Ohne unsere Augen und das Gehirn gäbe es
keine Farben. Die Augen empfangen eine spektrale oder definierte Wellenlänge, womit im
Gehirn ein Farbeindruck entsteht. Die Augen sind zudem noch relativ träge. Die Trägheit
ist insofern begründet, als daß ein auf die Netzhaut getroffener Lichtreiz noch einige
Zeit nachwirkt. Erst nach ca. 50 ms ist ein Lichtreiz soweit abgeklungen, daß eine neue
Lichteinwirkung aufgenommen werden kann. Die Augenträgheit sollte aber nicht unbedingt
als Nachteil empfunden werden, denn ohne diese Trägheit der Augen wären Aktivitäten wie
Kino (24 Bilder/Sec.=41,67ms) oder Lasershows nicht möglich.
Dreifarbentheorie
1931 definierte eine internationale
Kommission nach umfangreichen Versuchen und Tests den Verlauf der IBK-Farbmischkurven
(Int. Beleuchtungs-Kommission). Diese Farbmischkurven (Abb.3) bilden die Grundlage der
Dreifarbentheorie. Danach kann aus den drei Primärfarben Rot (700 nm), Grün (546,1 nm),
und Blau (435,8 nm) fast jede in der Natur vorkommende Farbe ermischt werden. Die
IBK-Farbmischkurven weisen einen negativen Rotanteil auf. Die Farben im Bereich zwischen
445 und 550 nm sind deswegen nicht einwandfrei darstellbar. Von der IBK wurden deshalb
Primärreize festgelegt, die ausschließlich positive Werte enthalten. Die neuen Werte
allerdings sind reine Rechengrößen und physikalisch nicht mehr darstellbar. Die neuen
Werte tragen die Bezeichnungen x, y und z. Aufgrund dieser Farbmischkurven
lässt sich
eine Farbe mit Hilfe von drei Maßzahlen fest zuordnen. Da aus zwei vorhandenen Werten der
dritte Wert (z) errechnet werden kann, wird jeweils nur der x- und y-Wert im Diagramm
(Abb.1) aufgeführt. Die Normwerte für Spektralfarben werden als Normspektralwerte
bezeichnet und sind in der DIN 5033/Blatt2 in Abständen von 5nm festgelegt .
Dispersion
des Lichts
Zerlegt man das weiße Sonnenlicht durch
ein Glasprisma, erhält man eine Reihe von Farben, die kontinuierlich ineinander
übergehen. Dieser Vorgang wird allgemein als Spektralanalyse bezeichnet. Im wesentlichen
ergeben sich Spektralfarben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Das Licht wird
beim Einfallen in das Prisma unterschiedlich gebeugt. Der Beugungswinkel steht in direkter
Abhängigkeit zur Wellenlänge. Je kürzer die Wellenlänge desto geringer die Ablenkung
(Rot) und umgekehrt (Violett). Eine Spektralfarbe kann nicht weiter zerlegt werden.
Blendet man nun eine Farbe aus dem Spektrum aus, erhält man aus der Summe der
verbleibenden Spektralfarben eine sogenannte Komplementärfarbe. Nehmen wir an, die
Spektralfarbe Rot wird aus dem Spektrum gefiltert. Die Addition der restlichen Farben
ergibt in diesem Fall den Farbeindruck Grün. Das Auge ist nicht in der Lage, eine
Spektralfarbe von einer Komplementärfarbe zu unterscheiden. Das Auge empfindet
ausschließlich den Farbeindruck Grün, egal ob die Spektralfarbe direkt einwirkt oder ob
die Addition von den restlichen Spektralfarben in das Auge einfällt. Mischt man wiederum
eine Komplementärfarbe mit der ausgefilterten Spektralfarbe, ist das Spektrum wieder
komplett und man erhält Weißlicht.
Farbmischverfahren
Zum einen lassen sich durch
Farbmischverfahren Scheinwerfer und somit Kosten einsparen. Zum anderen kann ein
Lichtdesigner durch geschickte Anordnung von Scheinwerfern sowie eine überlegte Auswahl
von Farbfiltern zeigen, dass er in seinem Tätigkeitsfeld nicht einfach nur Lampen
aufhängt. Grundsätzlich wird zwischen subtraktiver und additiver Farbmischung
unterschieden. Größeres Gewicht im Bereich der Lichttechnik hatte hierbei in den letzten
Jahren die additive Farbmischung. Mit neuen Techniken und Geräten gewinnt das Verfahren
der subtraktiven Farbmischung aber immer mehr an Bedeutung. Im wesentlichen liegen die
Unterschiede der beiden Verfahren nur in der Anordnung der Farbfilter und Scheinwerfer.
Additive Farbmischung
Bei dem additiven Farbmischverfahren werden
vom Auge mehrere Strahlungen gleichzeitig (Projektion) oder schnell nacheinander
(Farbkreisel) aufgenommen. Das Produkt der additiven Farbmischung wird immer heller. Nach
diesem Prinzip arbeitet z.B. der "Color Pro" von Lightweave Research. In dem
Scheinwerfer sitzen drei Leuchtmittel, die jeweils einen anderen Farbfilter durchstrahlen
(rot, grün und blau). Das Licht der Leuchtmittel wird durch eine Linse Gebündelt und
nach außen als Lichtpunkt abgegeben. Über ein Steuergerät lassen sich die Leuchtmittel
im Scheinwerfer unabhängig voneinander in der Helligkeit steuern. Je nachdem, mit welcher
Intensität die einzelnen Leuchtmittel leuchten, erhält man immer einen anderen
Farbeindruck. Lichtdesigner arbeiten bei Produktionen oft mit dem gleichen Prinzip -falls
auf den Traversen Scheinwerfer mit grünen und orangen Filtern ausgestattet sind und diese
auf die gleiche Position eingeleuchtet wurden. Auf der angestrahlten Fläche kann entweder
grün (L139) oder orange (L158) projiziert werden. Werden beide Farben gleichzeitig
aktiviert, läßt sich auf der angestrahlten Fläche leicht der Farbeindruck gelb
vermitteln, der dem LEE-Filter 102 Light Amber sehr nahe kommt.
Subtraktive Farbmischung
Bei dem subtraktiven Farbmischverfahren
werden verschiedenfarbige Filter gleichzeitig vor einer Lichtquelle angebracht. Jeder
einzelne Farbfilter vor der Lichtquelle subtrahiert eine Farbe aus dem weißen Licht
heraus. Das Produkt der subtraktiven Farbmischung wird immer dunkler. Die bekanntesten
Anwendungsgebiete der subtraktiven Farbmischung liegen in der Fotografie oder beim
Farbfilm. Nicht weniger bekannt ist das Verfahren auch in der Drucktechnik, obwohl hier
der Begriff "Vier-Farben-Druck" Verwirrung stiften kann. Druckereien verwenden
Gelb, Purpur und Cyan zur Erstellung einer Farbseite. Die vierte Farbe "Schwarz"
ließe sich bei ideal reinen Farbstoffen allein durch die drei genannten Grundfarben
ermischen. Wegen der nicht perfekt herstellbaren Farben wird Schwarz zusätzlich
verwendet. Bis vor wenigen Jahren fand die subtraktive Farbmischung nur in Einzelfällen
Anwendung in der Lichttechnik. Inzwischen setzt sich diese Form der Farbenerzeugung aber
immer mehr durch.
Subtraktive Frabmischung in der
Praxis
Die bekannteste und älteste Anwendungvon subtraktiver
Farbmischung ist bei Verfolgern zu beobachten. Beinhaltet das Farbmagazin des Spots
beispielsweise nur die Farben LEE 144 (No Color Blue) und die Farben LEE 101 (Yellow), so
läßt sich durch gleichzeitiges Einblenden beider Filter der Farbeindruck LEE 121 (Lee
Green) erzeugen. Ein Gerät, das sich die Prinzipien dieser Art der Farbmischung ebenfalls
zu Nutze macht, ist der Color Fader von Pan Command (s.PP 4/91). Dieses Gerät verfügt
über drei Folienrollen, wobei jede Folie über die gesamte Länge den gleichen Farbwert
(gelb, purpur und cyan) aufweist. Jede einzelne Folie wurde vom Hersteller ebenfalls über
die gesamte Länge mit mehr oder weniger großen Löchern versehen. So verfügt jede Folie
über verschiedene Lochrasterformate und wird berechenbar. Das heißt, je größer die
Stanzungen in der Farbfolie, desto höher der Anteil des ungefilterten Weißlichtes an der
Summe des Gesamtlichtes am Brenner und umgekehrt. Je nachdem, in welcher Konstellation die
drei Farbfilterrollen zueinander stehen, lassen sich (zumindest rein rechnerisch)
16.777.216 verschiedene Farbeindrücke ermischen. Auch der neue Vari-Lite VL5 mischt seine
Farben subtraktiv. In diesem Gerät wurden die drei Grundfarben hintereinander auf der
Mittelachse radial vor dem Leuchtmittel angeordnet.
Farbwahrnehmung
Die Farbwahrnehmung ist von mehreren
Faktoren abhängig. Es wird zwischen der Leuchtdichte (Helligkeit), dem Farbton und der
Farbsättigung unterschieden. Diese drei Faktoren ergeben die Farbart. Die Leuchtdichte
ist ein Maß für die Leistung eines Leuchtmittels in einem Scheinwerfer.
Sie verhält sich ausschließlich
proportional zur Leistung der Lichtquelle und gibt an, wie groß die Lichtempfindung im
Auge ist. Einfluß auf die Leuchtdichte hat zum Beispiel der Dimmer, da mit abnehmen der
Betriebsspannung auch die Farbtemperatur des Brenners sinkt. Der Farbton ist durch die
Wellenlänge bestimmmt, die ein Farbfilter passieren läßt. In den Farbmusterheften der
Firma LEE-Filters findet sich unter jedem Filter eine Grafik, welche die Abhängigkeit
zwischenTransmissionsfunktionen und Wellenlänge darstellt (z.B.: LEE 118, Light blue, 450
nm). Die Farbsättigung schließlich gibt an, wie groß der Weißanteil einer Farbe ist.
Bei den Scheinwerfern ist die Definition des Begriffes überflüssig, weil jede Farbe
durch den Filter definiert ist. Interessant wird es allerdings dann auf der Bühne, wenn
viele Scheinwerfer, also auch reines Weißlicht, sich mit dem Buntlicht mischen und dann
aus dem knalligen Rot schnell ein blasses Pastellrot machen. Diese Eigenschaften der
additiven Farbmischung sind besonders bei Produktionen zu beachten, welche eine genaue
Farbwiedergabe erfordern. Gewisse Veranstalter fordern zudem definierte Farbeindrücke wie
"Sparkassen-Blau" oder "Versicherungs-Grün".
Text/Grafiken:
Antonius
Quodt |